Für eine offene, kritische und aktive Studienvertretung Politikwissenschaft!
Kritische Studierende Politikwissenschaft - KriSP
Dass die Situation an der Universität Wien in vielerlei Hinsicht katastrophal ist, ist keine besonders originelle Erkenntnis. Spätestens seit der Einführung des UG 2002 und der Eingliederung der österreichischen Universitäten in den europäischen Bologna-Prozess leiden Studierende, Lehrende und Mittelbau an der darin verarbeiteten Vision, man könne Universitäten am besten so organisieren „wie die Bundesliga oder einen Song Contest“ (Wendelin Schmidt-Dengler). Diese Entwicklung trifft Sozialwissenschaften, die in den Augen der politisch Verantwortlichen keine unmittelbare Funktion im ökonomischen Verwertungsprozess und kaum Nutzen für den internationalen Exzellenz-Wettbewerb haben, ganz besonders – und somit auch das Studium der Politikwissenschaft an der Universität Wien.
Die Effekte dieser Dynamik hin zu einer ökonomisierten, entdemokratisierten Universität der Eliten sind an der Politikwissenschaft in den letzten Semestern besonders deutlich zu spüren gewesen. Die Studienbedingungen sind teilweise miserabel, Lehrveranstaltungen hoffnungslos überfüllt, die Administration oft undurchschaubar und die Infrastruktur vollkommen unzureichend; Umstände, welche engagiertes, kritisches oder auch bloß zügiges Studieren meist verunmöglichen. Der begrüßenswerten Tatsache, dass stetig mehr Menschen Politikwissenschaft in Wien studieren wollen, wird in keiner Weise durch entsprechende Aufstockung der Mittel Rechnung getragen. Mit der Umstellung auf das Bologna-konforme Bachelor-Master-System hat sich diese systematische Unterausstattung nicht verbessert, sondern zumindest für die Diplom-Studierenden sogar noch verschärft.
Natürlich kann eine Studienvertretung (STV) an einem Institut nicht die Defizite der gesamten Universitätspolitik ausgleichen. Wir haben jedoch den Eindruck, dass die STV Politikwissenschaft, gestellt durch die „Basisgruppe Politikwissenschaft“ (Bagru Powi) sich nicht ausreichend in institutspolitische Belange eingebracht hat und ihr die konkrete Verbesserung der Studienbedingungen sowie die Betreuung und Beratung von Studierenden kein echtes Anliegen waren. Deshalb wollen wir einen Neuanfang für die Studienvertretung Politikwissenschaft, um eine echte, konsequente Interessenvertretung der Studierenden in Bakk-, Master- und Diplomstudium auf Instituts- und Universitätsebene zu verwirklichen.
Zugleich sind wir der Meinung, dass Studierendenvertretung sich nicht in Service und Beratung erschöpfen darf. Neben der universitäts- und institutspolitischen Interessenvertretung verstehen wir unsere Aufgabe darin, in gesellschaftspolitische Debatten zu intervenieren und eine breite, offene und kritische Diskussion zu allen Themen, die für Studierende der Politikwissenschaften von Interesse sind, zu organisieren. Die aktuelle STV, die sich gerne als kritischer, linker und offener Zusammenhang präsentiert, hat sich dafür leider als völlig unwillig und/oder unfähig erwiesen. Insbesondere in den letzten Semestern verstärkt sich das Bild eines geschlossenen und dogmatischen Kreises, der sich auf problematische Weise bloß einer handvoll Themen widmet. Die Intention der Bagru Powi ist es offensichtlich nicht, breite Debatten und Engagement unter den Studierenden zu fördern; vielmehr wird sich immer wieder der eigenen Gewissheiten zu den immergleichen Themen versichert. Wohlgemerkt meinen wir ganz und gar nicht, dass diese Themen – Antisemitismus, der Nahe Osten, Kritische Theorie – unwesentlich wären. Wir kritisieren jedoch erstens, dass die thematische Einengung durch die Bagru Powi andere wichtige Themen – Bildungspolitik, Geschlechterverhältnisse und Feminismus, Rassismus und Antirassismus, politische Dynamiken in Österreich und der EU, um nur einige wenige zu nennen – beinahe völlig verdrängt; und zweitens, dass selbst die von der Bagru Powi thematisierten Inhalten stets ausschließlich aus einer einzigen, als unhinterfragbar dargestellten Perspektive diskutiert werden. Dazu gehört auch eine einseitige Auswahl der ReferentInnen für Veranstaltungen der STV, die sich überwiegend aus Zusammenhängen wie „Cafe Critique“ und „Bahamas“ rekrutiert.
Wir wollen dagegen die Studienvertretung Politikwissenschaft als wirklich offene, kritische und aktive Plattform etablieren, die als Anlaufstelle, Infrastruktur und Ort der Vernetzung für vielfältige studentische Initiativen und Projekte dient. Gegen die dogmatische, monothematische und ausgrenzende Politik der Bagru Powi setzen wir auf einen pluralen Ansatz, der die Vielfalt linker, emanzipativer und fortschrittlicher Bewegungen als Stärke anerkennt.
KriSP wird unterstützt von:
- Perspektiven
- VSStÖ-Sozialwissenschaften
- GPA-DJP StudentInnen Wien
KriSP-Kandidat_innen
Für die Kritischen Studierenden Politikwissenschft kandidieren bei den Wahlen zur Studienvertretung:
- Thomas Reithmayer
- Hanna Lichtenberger
- Barbara Metzler
- Benjamin Opratko
- Natascha Strobl
